Tagesmaxime
„Das Ego fragt: Wer bin ich? Das tiefere Bewusstsein fragt gar nicht erst — es ist einfach da."
Das Prinzip des Mentalismus unterscheidet zwischen dem Ego-Geist — der Instanz, die ständig denkt, plant, sich vergleicht — und einem tieferen Bewusstsein, das diesem Denken zugrunde liegt, ohne selbst zu denken.
🌿 Spirituelle Perspektive
Viele kontemplative Traditionen unterscheiden zwischen zwei Ebenen des Geistes: dem Ego-Geist, jener ständig aktiven Instanz, die denkt, plant, sich mit anderen vergleicht und eine kohärente Identität aufrechterhalten will, und einem tieferen Bewusstsein, das diesem gesamten Denken vorausgeht und es gewissermaßen trägt, ohne selbst in Gedanken verstrickt zu sein. Der Advaita Vedanta, eine Strömung der indischen Philosophie, beschreibt dieses tiefere Bewusstsein als das eigentliche Selbst, verglichen mit dem Ego-Geist, der eher wie eine vorübergehende, funktionale Konstruktion erscheint — nützlich für den Alltag, aber nicht die tiefste Wahrheit über das, was man ist. Das Prinzip des Mentalismus lädt dazu ein, diese Unterscheidung nicht nur philosophisch zu verstehen, sondern praktisch zu erfahren: In Momenten tiefer Stille, tiefer Konzentration oder tiefer Verbindung mit anderen tritt der Ego-Geist manchmal für einen Moment zurück, und was bleibt, ist ein einfaches, unaufgeregtes Gewahrsein — weder Gedanke noch Identität, sondern reine Gegenwart.
⚛ Wissenschaftlicher Blick
Die Bewusstseinsforschung unterscheidet neurologisch zwischen dem sogenannten narrativen Selbst, verankert unter anderem in den Aktivitätsmustern des Default Mode Network, das für Selbstbezug, Zukunftsplanung und die Konstruktion einer kohärenten Lebensgeschichte zuständig ist, und einem sogenannten momentanen, erfahrungsbasierten Selbst, das mit unmittelbarer sensorischer und körperlicher Wahrnehmung verbunden ist. Studien mit erfahrenen Meditierenden, unter anderem von Judson Brewer, zeigen, dass tiefe kontemplative Zustände mit einer deutlichen Reduktion der Aktivität im Default Mode Network einhergehen — subjektiv oft als „Auflösen der Ich-Grenzen” oder „Ego-Dissolution” beschrieben. Diese neurologischen Befunde liefern eine physiologische Grundlage für die uralte kontemplative Unterscheidung zwischen einem narrativ konstruierten Ego und einem tieferen, unmittelbaren Gewahrsein.
✦ Dein Micro-Step heute
Nimm dir heute einen stillen Moment und beobachte, ob du für einen Augenblick einfach gewahr sein kannst, ohne aktiv zu denken oder dich zu bewerten.
💭 Zum Nachdenken
Wer bist du in den seltenen Momenten, in denen dein Ego-Geist für einen Augenblick zur Ruhe kommt?
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